Im Folgenden beschreibt eine Teilnehmerin ihren persönlichen Entwicklungsprozess und gibt damit auch einen Einblick ins "Innere" von 

die.erlebenswerkstatt. Vielen Dank für die Erlaubnis der Veröffentlichung. (Helga Klöckner)

 

 

Meine eigene Geschichte

Ein Erfahrungsbericht von Rebecca  (Name geändert) aus Ernsgaden

 

Eine diffuse Sehnsucht nach innerer Ordnung in turbulenten Zeiten – so würde ich meinen Beweggrund bezeichnen, mich auf die offenen Kreativstunden bei Helga Klöckner einzulassen. Zwar musste ich mir die Zeit von meinem beruflich stark bestimmten Wochenplan regelrecht abknapsen, aber ich ahnte, dass sie gut investiert war in der erlebenswerkstatt. Gerne gebe ich einen Einblick in meinen konkreten Weg, den ich zwischen Anfang Oktober und Mitte Dezember 2015 dort in fünf Treffen zurücklegte.

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Anstatt Schritt für Schritt eine bestimmte Maltechnik zu erlernen wie früher in der Schule oder im Kunstkurs, gibt Helga Klöckner einen Rahmen vor, in dem die eigenen Themen Ausdruck finden können. In meinem Fall beim Treffen Nr. 1: Die Farbe Blau und Fundstücke aus der Natur, evtl. sollte auch „Bewegung“ vorkommen. Ich pinselte mit Schwung blaue und grüne Farben auf ein Blatt, zerknüllte es (Bewegung!), die noch feuchten Farben vermischten sich miteinander und ich faltete das Papierknäuel vorsichtig wieder auseinander. Durch das Knüllen bekam das Blatt Falten, eine eigene Struktur und Leben. Inspiriert von Helgas Hölzern hängte ich das Ganze in einen simpel zusammengebundenen Rahmen aus Naturhölzern.  

Bild 1 "Freude"
 
Was hatte das nun mit meiner Lebenssituation zu tun? Mit 48 Jahren hatte ich einen Heiratsantrag bekommen, den ich voller Freude angenommen hatte. Deswegen bewegte sich mein Farbspektrum gleich am Anfang weg von Blau und hin zu strahlendem Grün. Ich fühlte mich reif für die Festigung meiner Beziehung und wollte dieses „gelebt haben“ auch auf dem zuvor allzu glatten, jungfräulichen Bildträger wiederfinden. Soweit, so gut.

 

 

Doch da gab es eine Schwiegermutter, um die ich mich seit Jahren vergeblich bemühte, ähnlich wie ihr Sohn und mein jetziger Mann, der das Kämpfen einst vor allem im Eishockey auslebte. Als Helgas nächster Impuls nun „Collage“ lautete, stellte ich unser beider Bemühen dar und zeigte unter anderem an der mit Asche völlig überzogenen Frau rechts im Bild, dass ich mich aktuell in diesem familiären Bemühen wie ein begossener Pudel fühlte.

 

Ich nannte das Bild „Sie bemühte sich sehr“ (vgl. Bild 2) in Anspielung auf die Zeugnissprache, die mit dieser Formulierung ein Scheitern vermeidet auszusprechen.

Bild 2 „Sie bemühte sich sehr“ 

 

Sowohl die „Freude“ als auch diese Collage zur Bemühung hängte ich zuhause in mein Büro, in dem ich mich tagsüber die meiste Zeit aufhielt. So dachte ich in der folgenden Zeit weiter über diese Phänomene nach.

 

Durch die einfühlsame Gesprächsführung von Helga Klöckner kam ich während der weiteren Treffen zu den beiden nächsten Erkenntnissen: Wie sehr es mich die ganze Zeit verletzt hatte, bei der Schwiegermutter keinen Anklang zu finden und dass ich möglicherweise aber auch zu viel erwartet hatte in all meiner Empfindsamkeit. Plötzlich konnte ich meine sensiblen Seiten anerkennen und kurz danach sogar einbißchen selbstkritisches Augenzwinkern zulassen. Aus transparentem Papier, zart rosa und hellgrünen Akzenten baute ich meine ganz eigene „Meine Zarte-Seelen-Bühne“ (Bild 3).

 

Bild 3 „Meine Zarte-Seelen-Bühne“

 

Mehr noch als die beiden vorigen „künstlerischen Tagebucheinträge“ war mir dieses leicht-luftige Werk eine große Hilfe im Alltag: Wann immer ich hinsah, konnte ich mir meine große Verletzlichkeit zugestehen und gleichzeitig heilten die Wunden der Vergangenheit. Ich ließ sie hinter mir.

 

Doch so schutzlos offen wollte ich die zarte Seelenbühne keinesfalls lassen, denn schließlich blieb sie ja Angriffen von außen weiterhin ausgeliefert und zwar ganz real, das war keine Einbildung. Deshalb entstand noch im gleichen Kunst-Treffen ein Mobile zur Abwehr, eine Art Segel mit mehrfach übereinanderliegenden Schichten von Papier und einem dreigezackten Stab am höchsten Punkt: "Die Forke des Selbstverteidigung“. (Bild 4).

 

Bild 4 „Forke des Selbstverteidigung“ 

 

Dieses Ding bekam sogar blutrot bemalte Spitzen von mir! Ich hängte es einen halben Meter vor die Seelenbühne und sah somit immer beides, die Seelenbühne und die Forke. Ich glaube, dass die Forke vor allem am Anfang unverzichtbar war, denn im Gespräch über einige beispielhaft skizzierten Erlebnisse fand ich auch heraus, dass ich durchaus meine funktionierenden Methoden hatte, mich vor der ignoranten Art der Schwiegermutter zu schützen.

 

Bild 5 " Gesamtanblick - Erste 4 Werke"

 

Mit der Zeit sah ich sowohl die Seelenbühne als auch die Forke zunehmend mit Humor – ein Zustand, den ich zuvor gar nicht gewagt hätte zu erhoffen, so ernst war es mir und so verfahren erlebte ich die Situation. Bestimmt wissen viele Leser und Leserinnen dieser Zeilen, wovon ich spreche? Den Dramen auf dieser inneren Bühne ihren komischen Aspekt abzugewinnen, war mir also ein bis dahin völlig unbekanntes Vergnügen. Ich fühlte mich weitergekommen und regelrecht innerlich befreit.

 

 

Dies mag übrigens auch daran liegen, dass Helga Klöckner generell eine gesunde Distanz zu Interpretationen, insbesondere vor zu schnellen und zu negativen Interpretationen des jeweiligen Kunstschaffenden hat. Während wir alle schnell an unseren entstehenden Werken herumzumäkeln bereit waren, bestand sie auf einem freundlich-neutralen „es ist was es ist“. Sie schuf damit einen inneren Freiraum, Werke überhaupt fortzusetzen und fertigzustellen, erst recht, zu würdigen und in der Tiefe nachzudenken, was die Ausstrahlung und die Eigenschaften denn nun – subjektiv und individuell – für den Künstler, die Künstlerin zu bedeuten hat, was das Werk dem Menschen sagen will, was es ihm gibt, welche Wege es aufzeigt.

 

 

Als im nächsten Treffen die Rahmenangabe lautete, aus Draht etwas zu gestalten, formten andere TeilnehmerInnen große voluminöse Dinge und ich baute ein kleines, handhohes Menschlein, zart besaitet mit feinstem Drahtgespinst (das Feine und Zarte war mir ja eine neue Attraktion, siehe oben). Nur hatte das filigrane Figürchen trotz geringer Größe leider massive Probleme mit der Statik: Es fiel dauernd um! Doch findet sich in Helga Klöckners reichhaltigem Materialfundus natürlich auch hierfür eine Lösung: Mit einem gerade einmal fingerkuppengroßen Stück Ton bekam „Kippel-Drahti“ die erhoffte Bodenhaftung (Bild 6).

 

Bild 6 „Kippel-Drahti“ 

 

 

Mehr noch, er ließ sich selbst nach Anschubsen kaum mehr aus der Ruhe bringen und kippelt sich seither höchstflexibel immer wieder in den aufrechten Stand zurück. Was für ein wunderbares Vorbild für den eigenen Alltag! „Kippel-Drahti“ hat deshalb seinen festen Platz auf meinem Schreibtisch im Büro gefunden.

 

 

An einem Tag im November forderte Helga ihre Gruppe auf, herbstliche Fundstücke aus ihrem Garten in ihr nächstes Bild einzubauen, welches im Stehen an der Wand gemalt werden sollte. Frisch geschockt von einem schweren Krankheitsfall in der Familie und in der Hoffnung auf göttliches Eingreifen – ganz viel Gold! - entwickelte ich meine „Herbstcollage“ (Bild 7).

 

Bild 7 „Herbstcollage“ 

 

 

Da das erkrankte Familienmitglied drei Tage nach der Entstehung des Bildes starb, konnte und wollte ich das Bild meiner Hoffnung erstmal nicht im ständig frequentierten Bereich unseres Hauses aufhängen und begegne ihm seither immer beim Wäscheaufhängen im Keller. Alles braucht eben seine Zeit und oft auch seinen ganz speziellen Ort. Da ich gläubig bin, sehe ich die Hoffnung gerade auch im ewigen Leben erfüllt, aber mein Schmerz und der Schreck sind noch wirksam und unangenehm. Dem setze ich mich lieber nur in kleinen Dosen aus - mal kurz beim Wäscheaufhängen, das genügt.

 

 

 

Im letzten Treffen des Jahres 2015 lautete die Rahmenangabe, mit beiden Händen gleichzeitig zu malen. Außerdem legte Helga diverse Glitzerpuder bereit. Ich hatte von mir aus mehrere Naturfundstücke mitgebracht: Ein Stück leeres Wespennest, ein verlassener Kokon eines anderen Insekts, ein Stock mit Flechten in intensiv leuchtenden Farben signalgrün und schweinchenrosa. Als ich beidhändig loslegte, war mir meine Farbauswahl nach wenigen Minuten viel zu blass und langweilig. Ich wollte es bunt und dynamisch! Gut, dass Helga dazu riet, das erste Bild erstmal liegenzulassen und ein neues anzufangen. Dort tobte ich mich aus, in gewohnter Weise – denn in diesem Stil hatte ich schon früher oft gemalt, alle Jubeljahre, wenn ich dazukam. Richtig viel Glitzer rundete das Bild „Bunt wie immer“ ab. (Bild 8)

 

Bild 8 "Bunt wie immer“ 

 

Danach kehrte ich wieder zu dem zarten Ansatz zurück, der mich wesentlich mehr forderte und auch interessierte, brachte zwei große Kreise beidhändig zueinander in Harmonie und klebte die verlassenden und empfindlichen Behausungen der Insekten darauf. Ich nannte das Bild „Zarte runde Sache, zuhause“.(Bild 9)

 

Bild 9 „Zarte runde Sache, zuhause“ 

 

Der Aspekt des Zuhause-Seins und der Zweisamkeit gab mir Mitte Dezember - mittlerweile war ich verheiratet - eine große Ruhe und Zuversicht. Die drei Monate vom Heiratsantrag bis zur glücklich geschlossenen Ehe, das war eine intensive Zeit für mich.

 

Durch die „Kunststunden“ bei Helga Klöckner ist mein Innenleben für mich ein Stück sichtbar, begreifbar und bearbeitbar geworden und ich möchte diese Form der unterstützenden Begleitung gerade nach dieser intensiven Phase im Herbst nicht missen. Vielmehr wünsche ich jedem, ebenfalls solche Erfahrungen machen zu dürfen und habe deshalb meine eigene Geschichte für Sie an dieser Stelle öffentlich gemacht. Ich bitte gleichzeitig um Verständnis für mein Datenschutzbedürfnis. Nachfragen oder eine persönliche Kontaktaufnahme sind möglich über Helga Klöckner.

 

Erlauben Sie noch einen Nachsatz: Für mich hat der Spruch „Kunst kommt von Können“ durchaus seine Berechtigung, aber nur im Handwerk, wo mit einer Kunstfertigkeit die Übung und Geschicklichkeit bei ganz bestimmten Arbeitsvorgängen gemeint ist.

Kunst kann aber auch wie ein bildhaftes Tagebuch auf dem Lebensweg von Menschen sein, Ausdruck seiner Persönlichkeit zum Zeitpunkt X. Da ist der Anspruch nicht das Können, sondern die Aufrichtigkeit, der Mut zur eigenen Wahrheit, Lust an der eigenen Kreativität, das Sich-Einlassen auf die jeweiligen Themen, die uns im Alltag bewegen. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei hat es mir gut getan, eine geübte und geschickte professionelle Unterstützung an der Seite zu haben, wie Helga Klöckner sie in ihrer erlebenswerkstatt in Geisenfeld* bietet.

 

* ehemaliger Standort, ab Januar´18 Ingolstadt

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